Endlich konnte ich die lang ersehnte Reihe The New Jedi Order anlesen. Die Erwartungen, die durch Rückblicke und Zustände in Joiner King geweckt wurden, sind groß: ein übermächtiger Feind, große personelle, technische und politische Umwälzungen sowie neue Idelogie bei den Jedi stehen offenbar an. Leider konnte zumindest der erste Band, Vector Prime, der Vorfreude nicht wirklich gerecht werden.
Die Geschichte, die erzählt wird, ist gar nicht so verkehrt: ein erster Stoßtrupp der Yuuzhan Vong, einer extragalaktischen Art, erreicht die Galaxie und macht sich sofort an die Errichtung von etwas, das man früher Brückenkopf nannte. Diese possierlichen Kerlchen sind sowas wie ein Hybrid aus Klingonen und Spezies 8472: bedingungslose Krieger, denen es ausschließlich um Ruhm und Ehre geht und die Lebewesen statt Technik nutzen. Die altbekannten Helden kriegen davon natürlich Wind und gehen gegen die Bedrohung vor, ohne zunächst wirklich zu wissen, worum es hier geht. Einige sabotageartige Maßnahmen der Yuuzhan Vong reichern den Plot weiter an. Unschön sind eine Handvoll Inkonsistenzen sozialer und physikalischer Art¹, über die man aber mit zwei zugedrückten Augen noch hinweglesen kann; die wirklich einfallsreiche Ausarbeitung der Mittel, die die Yuuzhan Vong nutzen, um ohne moderne Technik eben jene zu übertrumpfen, entschädigt dafür weitesgehend.
Schlimmer wiegt, dass Salvatore die Geschichte schlichtweg schlecht erzählt. Über seinen unpersönlichen, sachlichen Schreibstil kann man sicher diskutieren; auf jeden Fall bleiben die Charaktere flach, insbesondere solche, die außer in den Reihen für Jugendliche noch nicht wirklich vorkamen. Gerade aber eine wichtige Todesszene — erstmalig für Star Wars eines der zentraleren Charaktere — und das anschließende Gefühlschaos in zahlreichen Charakteren bringt er auf der emotionalen Ebene überhaupt nicht zum Leser. Der katalytische Effekt, den der spezielle Todesfall also im Universum auslösen mag, spiegelt sich also nicht im Leser wieder; da wurde Potential verschenkt. Während außerdem zahlreiche Katastrophen und Kämpfe viele Todesopfer fordern, gelingt den übrigen Helden quasi alles einfach so, trotz der augenscheinlichen Überlegenheit der Yuuzhan Vong. Die wichtigen Ideen kommen ohne Vorbereitung spontan auf, die dafür nötigen Stücke Technik oder Personen sind völlig unmotiviert verfügbar — Onkel Lando hat alles — und die Durchführung läuft reibungslos ab. Da dachte ich mir oft: Zu einfach.
So plätschert die gut aufgesetzte Geschichte leider von vorne bis hinten dahin und die dank der großen Bögen durchaus aufgebaute Spannung wird im Kleinen nicht vertieft oder genutzt. Schade, dass mit Vector Prime so ein verdorbener Band die über zwanzig Bücher lange Reihe einleitet; es kann also nur besser werden.
[1] Achtung, Spoiler!
Eine Auswahl der Unstimmigkeiten, die mir sauer aufstießen:
- Leia schüttelt ihre Noghrileibwächter ab? Urlaub macht sie auch in anderen Büchern und stets weiß sie, was sie ihren Wachen — oder vielmehr deren Ehre — antut, wenn sie sie außen vor lässt, und nimmt sie mit. Ich sehe nicht, dass der Diplomatin Leia so ein Schnitzer passiert.
- Die Yuuzhan Vong werden als Kriegervolk dargestellt, dem es um Eroberung und Ehre geht. Wie kommen die dazu, demagogisch, sabotierend, völkermordend und schleichend vorzugehen? Man stelle sich Klingonen vor, die den Feind erst mit einer Krankheit, Anschlägen und Propaganda schwächten, um sich dann in sein Territorium zu schleichen und so unauffällig wie möglich Fuß zu fassen. Vielleicht ist der Vergleich aber auch schlecht und man sollte die Yuuzhan Vong ideologisch eher mit dem Dominion von Star Trek vergleichen.
- C-3PO kann die Sprache der Yuuzhan Vong ohne Probleme verstehen, obwohl das eine gänzlich neue Art mit einer ganz anderen Kultur und Entwicklung ist als alles, mit dem er programmiert worden sein kann.
- Mara hat Probleme gegen einen Yuuzhan Vong, Jacen hält mindestens vier in Schach. Gut, sie ist geschwächt, aber sie ist auch ausgebildete Assassine und Jedi, Jacen ist Padawan.
- Nachdem anfangs die Gravitationsfallen der Yuuzhan Vong alles wegschnappen, können die Schiffe der Helden, insbesondere Luke, stets entkommen.
- Die Schiffe der Helden springen nach Jacens Aufsammlung aus dem Gravitationsfeld des Eisplaneten in den Hyperraum — das ging noch nie in Star Wars!
- Lando hat alles Mögliche, aber kaum Jäger zur Verteidigung oder überhaupt ordentliche Bewaffnung für die vorhandenen?
- Die Schildschiffe sind gemacht, um Sonnenstrahlung zu reflektieren. Das funktioniert auch einfach so mit der Energie des Yammosk?
- Der Eisplanet explodiert, weil das Eis wieder schmilzt? Übersehe ich da einen physikalischen Effekt, oder ist das Humbug?