
Rechner, auf denen ich regelmäßig arbeite
In den vergangenen Jahren ist es mit wachsender Verfügbarkeit und Kapazität des Internets zu stets sinkenden Kosten attraktiver geworden, seine Arbeitsmittel ins Web zu legen. Das macht überhaupt Sinn, da eine Person heute oft mehrere Rechner frequentiert: PC zuhause, Laptop für den Außeneinsatz, Handy für unterwegs, PC an der Arbeitsstätte und so weiter. Gibt es nun Tätigkeiten, die man gerne an mehr als einem Rechner oder mit Anderen kollaborierend durchführen möchte, führt die Nutzung von lokalen Lösungen dazu, dass man entweder zig verschiedene Zustände hat oder — mehr oder weniger umständlich — seine Daten synchronisieren muss.
Eine populäre und oft sinnvolle Möglichkeit, dem zu entgehen, ist die Nutzung von Services im Internet. Da gibt es natürlich YouTube für Videos, Wikipedia für Wissen, GoogleDocs für Dokumentbearbeitung und Facebook für Kommunikation, aber auch kleinere Dienste wie Tungle.me für Terminkalender oder Doodle für Abstimmungen sowie unzählige hochspezialisierte Anbieter. Ein und insbesondere mein Problem mit all diesen: ich gebe meine Daten in die Hand von Firmen. Das heißt, Privates oder gar Berufliches kann ich dort nicht oder nur mit großer Vorsicht abwickeln.
Mein Weg aus der Misere ist, auf einem (virtuellen) Server, den ich bei einem seriösen Anbieter miete, selbst Software installiere, die nötige Aufgaben erfüllt. Das verbindet den Vorteil der ständigen Verfügbarkeit und Zentralität mit der Hoheit über meine Daten. Nun, mein Anbieter und etwaige Hacker könnten natürlich theoretisch Zugriff erlangen, aber das ist doch ein deutlich anderes Risiko als im Falle der fest zum Geschäftsmodell gehörenden Interessen an spezifischen Daten bei Google, Facebook und Konsorten. Für eine solche Lösung muss man bereit sein, den nötigen Installations- und Pflegeaufwand zu investieren; ein Webmailer bei Google ist natürlich pflegeleichter als ein selbst installierter Client.
Da es mich teilweise einige Zeit gekostet hat, brauchbare Software für diesen Zweck zu finden, möchte ich diese nun vorstellen. Jede Einzelne hat bestimmt ihre Macken, aber welche Software ist schon ohne Fehler. Sie sind allesamt frei und, soweit ich das überblicke, Open Source. Ich werde mich kurz fassen und mich auf solche Software beschränken, die ich gezielt als Ersatz für Desktopanwendungen ausgesucht habe. Sollte Bedarf an näheren Beschreibungen bestehen, teilt mir das gerne in den Kommentaren mit.
Für EMails, Kalender und Adressbuch nutze ich Horde in der Groupware Webmail Variante. Horde bietet unter anderem einen Mailclient, der einen vollständigeren Satz an Features bietet als die meisten lokalen Clients und alle Webmailer, die ich bisher kenne, zum Beispiel ist Unterstützung für PGP fest vorgesehen. Auch die anderen Module sind genügend mächtig; insbesondere bieten sie breite Import- und Exportschnittstellen. Das hat natürlich seinen Preis: die Oberfläche ist nicht immer übersichtlich, die Vielfalt an Einstellungen kann verwirren und die Installation ist nicht reibungslos verlaufen. Ich nutze Horde nun seit über zwei Jahren und bin zufrieden, zumal es weiterhin verbessert wird.

Rnews in Aktion
Feeds lese ich seit einiger Zeit mit Rnews. Dieser Aggregator bietet alle Features, die ich von Liferea kenne, und einige mehr. Installation und Import über Standardschnittstellen liefen reibungslos ab, der Betrieb läuft bisher gut. Einziger Wermutstropfen ist, dass Feeds über https scheinbar nicht gelesen werden können.
Als erweiterten Notizblock verwende ich ein MediaWiki. Vom Merkzettel bis nach Hause, der To-Do-Liste für die nächste Woche und der Ideensammlung für jene ferne Träumerei kann es alles abdecken und skaliert problemlos. Bilder, Formeln und ganze Seitennetze sind kein Problem. Man kennt und schätzt die Software ja von Wikipedia.
Das war es schon von dieser Front. Ansonsten nutze ich noch Xmarks, um Lesezeichen von Firefox zu synchronisieren, auch wenn das keine offene Angelegenheit ist. Andere Tätigkeiten, für die mir keine adäquaten freien Lösungen bekannt sind und die nur hin und wieder auftauchen und deshalb keine Anschaffung eines kostenpflichtigen Programmes rechtfertigen, sind Zeichnen und Diagrammerstellung. Für Ersteres habe ich Dabbleboard liebgewonnen und für Letzteres vor Kurzem Creately aufgetan; diese Tools sind für kompletten Umfang kostenpflichtig, für gelegentliche Nutzung genügen aber die Demoversionen. Für UML im Speziellen funktioniert auch yUML wunderbar.
Ich wickle noch eine Handvoll Dinge offline ab; im Wesentlichen sind das Chatten, Musik hören und Dokumentbearbeitung. Für alles gibt es entsprechende Webanbieter (zum Beispiel meebo, last.fm und GoogleDocs), die aber oben angesprochene Probleme mit sich bringen. Gescheite, freie Lösungen für eigene Server sind mir nicht bekannt, zumal bei Musik große Datenmenge auf einen Server geschafft werden müssten. Für Chats gibt es da noch BitlBee, das in Kombination mit zum Beispiel irssi den Job tun sollte; solche shellgebundene Clients konnten mich aber bisher nicht überzeugen. Musik könnte man sicher von Heimrechner aus streamen, das erscheint mir aber etwas bastelig. So laufen bei mir nach wie vor Pidgin, mpd/Sonata und Open Office bzw. Geany; die anfallenden Daten synchronisiere ich zwischen meinen Maschinen.
Die Masse meiner persistenten Daten liegt also nach wie vor auf meinen eigenen Rechnern, das Alltagsgeschäft hingegen wickle ich bereits weitesgehend im Web ab. Ich bin gespannt, was die Zukunft da bringt und wie ihr das löst — Achtung, Zaunpfahl!