Frank Schätzing: Der Schwarm
Klappentext
Vor Peru verschwindet ein Fischer. Spurlos. Norwegische Ölbohrexperten stoßen auf merkwürdige Organismen, die Hunderte Quadratkilometer Meeresboden in Besitz genommen haben. Währenddessen geht mit den Walen entlang der Küste British Columbias eine unheimliche Veränderung vor. Nichts von alledem scheint miteinander in Zusammenhang zu stehen. Doch Sigur Johanson, Biologe und Schöngeist, glaubt nicht an Zufälle. Auch der indianische Walforscher Leon Anawak gelangt zu beunruhigenden Schlüssen: Eine Katastrophe kündigt sich an. Die Suche nach dem Urheber konfrontiert die Forscher mit ihren schlimmsten Albträumen.
Frank Schätzing inszeniert den Feldzug der Natur gegen den Menschen als atemberaubendes Schreckensszenario mit Tempo und Tiefgang.
Autor
Frank Schätzing, geboren 1957, veröffentlichte 1995 den historischen Roman Tod und Teufel, der bis heute eine Auflage von 250.000 Exemplaren erreicht hat. Nach zwei weiteren Romanen und einem Band mit Erzählungen erschien 2000 der Bestsellerroman Lautlos, ein politischer Thriller über den Weltwirtschaftsgipfel 1999, den die Presse als schillernde Momentaufnahme des ausgehenden Jahrtausends lobte. Frank Schätzing lebt und arbeitet in Köln und erhielt den KölnLiteraturpreis 2002.
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Anfang
Die Natur schlägt zurück. Zunächst sind es nur riesige Quallenteppiche, rätselhafte Würmer am Meeresboden und einige aggressive Wale, doch bald stoßen explosive Krebse, Killeralgen und allerlei wildgewordene Meeresbewohner hinzu. Auf der ganzen Welt ist man ratlos.
Verlauf
Das Buch beginnt recht geruhsam mit ungewöhnlichen Vorfällen an verschiedenen Stellen auf der Welt und den damit verbundenen Nachforschungen. Als sich die Tragödien häufen, erscheint es immer unwahrscheinlicher, dass sie wirklich nicht in Zusammenhang stehen sollen. Und tatsächlich ist überall eine vollkommen unbekannte Substanz im Spiel, die jedoch keine besonderen Eigenschaften zu haben scheint.
Während die Staaten sich mit den Folgen der Vorfälle herumschlagen, kommt eine Gruppe von Forschern zusammen, die das Rätsel lösen soll. Sie finden aber zunächst nur weitere Fragen, die Fortschritte sind dünn gesäht. Alles, was sie herausfinden, macht nur deutlich, wie eng sich die Schlinge zieht: wenn die Forscher nicht bald eine Lösung finden, wird ein Großteil der Menschheit ausgerottet werden. Doch sie können nicht im Meer suchen, ohne selbst gefunden zu werden…
Meinung
Schätzing lässt sich am Anfang viel Zeit, seine Charaktere und die bedrohliche Situation einzuführen, bevor die Geschichte Fahrt aufnimmt. Das gelingt ihm aber auch sehr gut, das beklemmende Gefühl der nahenden Zerstörung nagt an der Leserseele. Über die Qualität und die Notwendigkeit der (pseudo)wissenschaftlichen Abhandlungen kann man sicher streiten, mir haben sie gefallen. Leute mit mehr Ahnung von Biologie, als ich sie habe, werden sich hingegen vermutlich langweilen oder veralbert vorkommen, Menschen ohne jedes wissenschaftliche Interesse vielleicht gleichzeitig gelangweilt und überfordert. Es gibt einiges an Zusammenhängen, die man sich behalten sollte, und das machte für mich das Buch spannend. Der Fortschritt der Geschichte ist wie tauchen im Meer – man kommt immer tiefer, es wird immer dunkler, aber man kommt (lange Zeit) nicht am Grund an. Dass Schätzing keinen wirklichen Hauptcharakter hat, irritiert zum Teil etwas, stellt sich aber ob seiner verschwenderischen Personalpolitik als gute Entscheidung heraus. Die Charaktere sind außerdem weder sehr einfallsreich noch mit Tiefe geschrieben, wirken mehr wie verlängerte Arme des allwissenden Erzählers.
Der Schwarm war nicht zu Unrecht erfolgreich. Ich kann jedem das Buch empfehlen, der laute und knallende Plots mag und sich nicht an Schemacharakteren stört.